• Katja Brömer

Wie sich Vanessa den Traum eines Selbtversorger-Lebens auf Teneriffa erfüllte

Aktualisiert: Okt 7

Jeden Tag aufwachen, das Meer riechen, die Sonne auf der Haut spüren und wissen, dass man das Leben lebt, das man sich schöner nicht hätte träumen lassen. So geht es Vanessa Hernandez. Die 40-Jährige unterhält auf Teneriffa einen Einsiedlerhof, baut ihre Lebensmittel selbst an, versorgt Straßenhunde und ist eins geworden mit der Natur. Wir haben sie besucht und können dir sagen: es war ein femininINNEN-Crush, wie er schöner nicht hätte sein können...


(Alle Fotos: ©Katja Brömer)


femininINNEN: Vanessa, du lebst hier wie im Paradies. Doch das war bestimmt nicht immer so. Wie sah dein früheres Leben aus und wie kam es zu deinem neuen Lebensstil?

Vanesa: "Seit ich ein kleines Mädchen war, hatte ich den Traum so zu leben – mit viel Platz für Tiere, Pflanzen und für mich und meine Familie. Noch vor acht Jahren lebte ich in einer kleinen Wohnung und habe als Kellnerin gearbeitet. Damals hatte ich zwar mehr Geld, aber ich war unglücklich, da ich nie Zeit hatte und immer im Stress war. Außerdem fehlte mir die Verbindung zur Natur. Eine Reise nach Costa Rica hat mein ganzes Leben verändert. Dort durfte ich ein Jahr lang im Einklang mit der Natur leben. Als ich zurückkam nach Teneriffa, wusste ich, dass ich mein altes Leben hinter mir lassen möchte."



Du lebst hier ganz alleine auf dem Hof, hast das Kellnern aufgegeben, kümmerst dich auch um deine Tiere. Aber wie bezahlst du für deinen Lebensunterhalt?

"Meine Großmutter hat mir ihre Eigentumswohnung vererbt, diese vermiete ich und kann so von den Einnahmen leben. Auch dieses Grundstück kaufte ich davon. Bevor ich jedoch in mein Haus ziehen konnte, lebte ich einige Zeit in einem Wohnmobil und konnte Geld sparen um mir dann dieses Häuschen kaufen zu können. Es ist nicht groß und hat nur einen Raum, es reicht jedoch vollkommen für mich und meine Hunde. Ich brauche nicht viel, ich fühle mich so viel freier als vorher. Außerdem lebe ich noch von dem Verkauf meines selbstangebauten Gemüses."


Kaufst du überhaupt noch im Supermarkt ein?

"Ja, aber nur das, was ich nicht auf der Finca anbauen kann. Reis, Pasta, Kaffee, Mehl usw. In meinem Lehmoffen backe ich mir auch mein eigenes Brot."



Was genau produzierst du hier auf der Finca?

"Die Idee der Finca ist es, Nahrung für mich, meine Freunde und Familie zu produzieren, in ökologischer Form. Wir bauen viele Obst- und Gemüsearten an. Es wachsen Kräuter und alte Pflanzenarten, die es nur auf den Kanaren gibt – darauf bin ich sehr stolz. Ich habe ein paar Hühner, die mir Eier liefern und zusätzlich noch meine Pflanzen düngen. Die meisten Menschen hier verwenden Chemie beim Anbau von Gemüse, ich setze darauf, den Garten so gut es geht sich selbst zu überlassen. Der einzige Dünger, den ich verwende, ist der meiner Hühner (lacht). Durch die große Vielfalt an Pflanzen kommen hier auch wieder Bienen vorbei, die hier schon fast ausgestorben waren. Vor kurzem habe ich einen kleinen Teich angelegt und seit ein paar Wochen haben wir hier sogar einen kleinen Frosch, ich hoffe, er erzählt es seinen Freunden weiter und es werden noch ein paar mehr.




Gibst du dein Wissen auch weiter?

"Ein Teil meines Projekts ist die Umwelterziehung. Wir haben einige Kurse und Workshops durchgeführt, wie z.B. die Wiederansiedlung der kanarischen Flora, die Herstellung von handgemachter Seife oder wie man in einem alten Ofen Brot backen kann. Eine großartige Erfahrung, an der wir weiter arbeiten wollen."



Wie ernährst du dich hauptsächlich?

"Ich bin schon seit über 18 Jahren Vegetarierin. Ich esse kein Tiere. Ich kümmere mich lieber um sie."




Du lebst hier gerade mit acht Hunden zusammen und nimmst auch immer wieder Hunde zur Pflege auf, die dann vermittelt werden. Kannst du uns etwas über die aktuelle Situation der Hunde hier auf Teneriffa erzählen?

"Wo fange ich da an, ich muss sagen das ist ein sehr emotionales Thema für mich. Viele Menschen in Spanien haben kein Verständnis für die Bedürfnisse der Tiere, es ist ihre Mentalität. Die Menschen verstehen nicht, dass es grundlegende Dinge gibt, die ein Tier braucht. Futter, Wasser, einen Schlafplatz, Auslauf, Liebe. Sie denken nicht, dass ein Tier Respekt verdient. Es müsste ein Gesetz geben, das Tiere schützt, aber das wird aktuell nicht mal diskutiert (in Deutschland ist es per Gesetz – § 18 Abs.1 Nr.4 TierSchG – verboten, Haustiere auszusetzen, d. Red.). Das Problem ist, viele Familien holen sich einen Welpen, weil sich ihre Kinder einen wünschen und ihn anfangs süß finden. Dann, nach einiger Zeit fangen die Probleme an, er wird zu groß, macht in die Wohnung, beißt Schuhe kaputt und sie verlieren die Geduld. Sie verstehen nicht, dass Hunde Bedürfnisse haben und dass mit ihnen gearbeitet werden muss. Das Tier wird dann einfach auf die Straße gesetzt oder in einem Tierheim abgegeben, wenn es schwierig wird. Es ist nicht verboten, ein Tier auf die Straße zu setzen, also ist es für die meisten Menschen der einfachste Weg, da es keine Strafen gibt. Du kannst deinen Hund schlecht behandeln und es passiert nichts. Das hat mich schon immer sehr traurig gemacht. Eines der schlimmsten Probleme sind die Züchter, die immer weiter Rassehunde züchten und auch viele Abnehmer dafür finden. Die Menschen hier wollen lieber einen „schönen“ Rassehund als einen Streuner aus dem Tierheim, der genauso liebevoll sein kann."




Wie entstand deine Liebe zu Tieren?

"Ich bin mit Tieren aufgewachsen – mit Hunden, Ziegen, Hühnern... Meine Eltern haben Tiere immer respektiert, das war ganz normal bei uns. Ich empfand aber schon als kleines Mädchen viel Empathie für Tiere. Als ich größer wurde, wuchs auch das Verständnis für die Natur. Mir ist es wichtig, in Einklang mit der Natur zu leben, es gibt nichts Schöneres. Meine Chefin ist die Sonne, sie sagt mir, wann ich aufstehen und zu Bett gehen muss. Wenn ich aber so überlege, hat mein Opa mir am meisten über Tiere und die Natur beigebracht. Er war schon immer ein Tierfreund."

Er wäre bestimmt sehr stolz, wenn er sehen würde wie du lebst, oder?

"Ja, das glaube ich auch."


Vermisst du Dinge aus deinem alten Leben?

"Nein, ich vermisse rein gar nichts, außer vielleicht manchmal eine heiße Dusche (lacht). Wir haben eine Outdoordusche aus Holz gebaut. Bei den milden Temperaturen auf Teneriffa kann man immer draußen duschen, was sehr praktisch ist. Bei unseren Toiletten arbeiten wir zu 100% mit Stroh und kompostieren es. So vermeiden wir die Verschmutzung der Meere. Wusstest du, dass alle Toilettenspülungen auf Teneriffa im Meer landen? Unglaublich. Um mir den Traum einer heißen Dusche erfüllen zu kommen, plane ich eine kleine Solaranlage zu installieren. Da fehlt mir aber aktuell leider noch das Geld."


Hast du Tipps für Leute, die auch gerne so leben würden wie du?

"Den einen großen Tipp habe ich leider nicht. Das Ganze ist ein Prozess und man muss es wirklich wollen. Ich denke, das Wichtigste ist, dass man solch eine Entscheidung, die das ganze Leben verändert, ohne Angst trifft. Einen Biobauernhof zu führen bedeutet viel Arbeit und Verantwortung. Reisen ist leider für mich im Moment nicht möglich. Das muss einem klar sein."


Wer so schön lebt, wie Vanessa, der will da bestimmt auch nicht so schnell weg...

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