• Stephanie Morcinek

Nur 55 % der Frauen weltweit sind körperlich selbstbestimmt

Aktualisiert: Apr 19


Schwarz-Weiß Bild Frauenkörper
My body, my choice? Für 45 Prozent der Frauen gilt das leider nicht // Foto: Alexander Krivitskiy / Unsplash

Fems, es ist einfach erschreckend, was der aktuelle Weltbevölkerungsbericht der UNFPA zu Tage gebracht hat. Weltweit wird Millionen von Frauen und Mädchen* die freie Entscheidung über ihren eigenen Körper verwehrt. Nur 55 Prozent der Frauen in 57 untersuchten ärmeren Ländern können beispielsweise selbstständig entscheiden, mit wem sie Sex haben, ob sie verhüten und medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. 45 Prozent können das demnach nicht, sondern müssen ihren männlichen Betreuer – erst ihren Vater, später ihren Ehemann – um Erlaubnis bitten.


Die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) sagt: "In Krisen werden noch mehr Frauen und Mädchen Opfer von Zwangsverheiratung und Genitalverstümmelung!" Durch die anhaltende Pandemie sind deshalb im Moment besonders viele Frauen und Mädchen von dieser männlichen Unterdrückung, die uns wirklich traurig und sprachlos macht, betroffen.

Weltbevölkerungsbericht: Armut und weibliche Unterdrückung stehen in engem Zusammenhang


Einen engen Zusammenhang sehen die Autor:INNEN des Weltbevölkerungsberichts zwischen sexueller Selbstbestimmung und dem Bildungsniveau von Frauen. Denn Frauen, die weniger gebildet sind als ihre Partner, erleben laut dem Bericht häufiger sexualisierte Gewalt als Frauen, deren Bildungsniveau mehr oder weniger dem ihres Ehepartners entspricht.


Viele Mädchen und Frauen wüssten nicht, dass sie das Recht hätten, Geschlechtsverkehr zu verweigern, heißt es in dem Bericht. So habe eine Studie in Indien gezeigt, dass frisch verheiratete Frauen in Indien ihren ersten Sex seltener als erzwungen oder "gegen ihren Willen" bezeichnen, weil Sex innerhalb der Ehe erwartet würde. Solche Normen und Einstellungen verhindern laut des Berichts oftmals auch, dass Frauen selbstbestimmte Entscheidungen über Verhütung treffen können – auch, weil Männer in vielen Ländern es als ihr Recht betrachteten, die Entscheidung über die Familiengröße zu treffen.


Dr. Natalia Kanem, ExekutivdirektorIN von UNFPA:

"Die Tatsache, dass fast die Hälfte der Frauen immer noch nicht selbst entscheiden kann, ob sie Sex haben, verhüten oder medizinische Versorgung in Anspruch nehmen wollen oder nicht, muss uns alle empören. Hunderte Millionen Frauen und Mädchen besitzen ihre eigenen Körper nicht. Ihr Leben wird von anderen bestimmt."


Mein Körper gehört mir? Leider gilt dies nicht für alle!


Im Weltbevölkerungsbericht heißt es: "Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung bedeutet, dass wir die Fähigkeit und das Recht haben, Entscheidungen zu treffen, ohne Angst vor Gewalt oder davor, dass jemand anderes für uns entscheidet." Wir hier in Europa machen uns darüber meist keinen Kopf, wir dürfen ganz frei entscheiden, was mit unserem Körper passiert, wie wir ihn behandeln, mit wem wir sexuell aktiv werden, wann wir zum Arzt gehen, wann und ob wir schwanger werden oder welche Medikamente wir einnehmen.


Nein sagen zu können, ist ein Privileg, das wird durch den Bericht mehr als deutlich. Und dieses Privileg wird Millionen Frauen weltweit verwehrt. Doch dieses Nein ist der Schlüssel zu einem selbstbestimmten, würdevollen Leben. Frauen haben nur 75 Prozent der Rechte, die Männer haben. Kein Land dieser Erde hat die Gleichberechtigung erreicht. Doch sind viele Länder so weit, dass wir Frauen nur sich selbst und keinem Mann gehören, viele, aber eben nicht alle. Genau darum kämpfen wir, um diesen Missstand aus der Welt zu räumen!



Der UNFPA-Weltbevölkerungsbericht 2021 zeigt:

  • ...wie gravierend viele Missstände im Bereich der körperlichen Autonomie sind. Viele haben sich unter dem Druck der COVID-19-Pandemie noch verschärft. So sind seit Ausbruch der Pandemie mehr Frauen und Mädchen als je zuvor von geschlechtsspezifischer Gewalt und schädlichen Praktiken wie Frühverheiratung bedroht.

  • ...dass Praktiken wie weibliche Genitalverstümmelung extremste Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit sind. Vergewaltigung – auch innerhalb der Ehe oder einer festen Beziehung – und andere Formen der geschlechtsspezifischen Gewalt zählen ebenfalls zu Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit.

  • ...dass weibliche Genitalverstümmelung seit Beginn der Corona-Pandemie im kenianischen Geflüchtetenlager Dadaab um etwa 20 Prozent zugenommen hat. Laut UNFPA könnte die Corona-Pandemie die Erfolge in der Beseitigung der schädlichen Praktik bis 2030 um ein Drittel zurückwerfen.

  • ...dass 43 Länder Vergewaltigung in der Ehe nicht unter Strafe stellen. Auch in Ländern, die über eine entsprechende Gesetzgebung verfügen, wird Vergewaltigung in der Ehe oft milder bestraft.

  • ...dass viele Mädchen und Frauen nicht wissen, dass sie das Recht haben, Sex zu verweigern.

  • ...dass Frauen, die weniger gebildet sind als ihr Ehemann oder Partner, häufiger sexualisierte Gewalt in ihrer Beziehung erleben als Frauen, deren Bildungsniveau mehr oder weniger dem ihres Partners entspricht.

  • ...dass Männer ihren Blick auf Frauen verändern müssen, um Geschlechtergerechtigkeit gemäß dem Ziel 5 für nachhaltige Entwicklung (SDG 5) der Agenda 2030 zu erreichen. Dienstleistungen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit können helfen, Informationen über gleichberechtigte Beziehungen, Elternschaft und Kommunikation zu vermitteln.


*wir sprechen hier nur von Frauen und Mädchen, nicht von weiblich gelesenen Personen, da es so im Bericht niedergeschrieben wurde


Quellen und weitere Infos findest du hier:


https://www.unfpa.org/SoWP-2021


https://www.dw.com/de/weltbev%C3%B6lkerungsbericht-un-frauen-selbstbestimmung-k%C3%B6rper/a-57191967


https://www.dsw.org/wp-content/uploads/2021/04/UNFPA-Weltbevoelkerungsbericht_2021_web.pdf


https://www.dsw.org/wp-content/uploads/2021/04/DSW-Pressemitteilung_UNFPA-Weltbevoelkerungsbericht_2021.pdf

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