• Stephanie Morcinek

Lass uns über das Wort "Girl" sprechen!

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Girl Boss, Girl Power, Super Girl: Wenn es um bestimmte Themenbereiche geht, in denen weibliche Individuen etwas Großartiges vollbringen, werden sie schnell in eine Schublade gesteckt, die mit vier oder in der Mehrzahl fünf Buchstaben versehen ist und unserer Meinung nach völlig falsch konnotiert ist. So falsch, dass wir über das Wort dringend mit dir sprechen müssen.


Wäre das hier ein anderes Medium, würde ich diesen Text evtl. mit den Worten beginnen: "Hey Girls, wir müssen reden!". Doch wir sind femininINNEN und möchte dich nicht mit diesen Worten begrüßen. Denn bei Girls liegt leider genau das Problem, um das es sich in diesem Post drehen soll.


Das Wort Girls hat sich in unserem Sprachgebrauch aus dem Englischen eingeschlichen, um sich hier festzusaugen und viel passendere Wörter nach und nach zu verdrängen. Den meisten fällt vielleicht überhaupt nicht mehr auf, dass wir uns ständig als Mädchen betiteln und damit viel kleiner machen, als wir eigentlich sind (auch uns rutscht es immer mal wieder raus, erst gestern wieder passiert – damn!). Ein sehr aktuelles Beispiel ist ein Artikel im Manager Magazin, der von erfolgreichen Frauen handelt, die alle unter oder um die 30 Jahre alt sind und etwas Wundervolles geleistet haben. Ein erfolgreiches Start-up gegründet zum Beispiel (Géraldine Ulrichs), oder als KlimaaktivistIN einen Topmanager und seine Marketing-Strategie durchschaut und ihm prompt gekonnt Paroli geboten (Luisa Neubauer vs. Joe Kaeser) haben. Passend dazu die Zwischenüberschrift: "Mädchen schlägt Manager". Bitte was? Ist Luisa Neubauer acht Jahre alt? Nein, die junge Frau (!!!) ist 24. Britney Spears würde passenderweise singen: "I am not a girl, not yet a woman" und genau die Zwickmühle beträllern, in der Frauen oft stecken. Sie handeln wie eine Frau, sehen aber noch so jung und mädchenhaft aus, dass viele (leider vor allem Cis-Menschen männlichen Geschlechts) annehmen, sie würden ihnen damit schmeicheln, wenn sie als Girls oder Mädchen betitelt würden.



Schmeichelhaft ist der Begriff absolut nicht. Genauso wenig wie das andere Extrem: Mutti. Damit muss sich Angela Merkel immer wieder rumschlagen. "Die Mutti der Nation". Hat schon irgendjemand jemals über ihre Vorgänger Helmut Kohl oder Gerhard Schröder "Der Vatti der Nation" getitelt? Natürlich nicht. Helmut Kohl ist "Der Große Deutsche" (Focus) oder Gerhard Schröder "Der Gold-Kanzler" (Stern). Vor allem ist Angela Merkel überhaupt keine Mutter, sondern kinderlos. Sie ist ganz einfach eine Frau. Eine Frau Dr. sogar. Eine Frau Dr., die sich zwar aufopferungsvoll um ihr Volk kümmert (wie eine Mutter um ihre Kinder – schon klar, wo die Verbindung herkommt), aber das ist nun mal ihr Beruf und zeigt ja wieder im Umkehrschluss, dass Männern dieser aufopferungsvolle Umgang irgendwie abgesprochen wird bzw. das dies direkt als selbstverständlich wahrgenommen wird. Stärke, Abgeklärtheit, logisches und durchdachtes Handeln auf der männlichen, Emotionalität, eine Aufopferungsbereitschaft und Verständnis für alles und jeden auf der weiblichen Seite.


Warum fällt es uns so schwer, Frau als festen Begriff zu verwenden? Zugegeben "Hey Frauen" hört sich natürlich nicht so schön flüssig leicht an wie "Hey Girls", aber warum können wir nicht einfach Female Boss statt Girl Boss sagen oder Super Frau statt Super Girl? Tut es weh? Nein. Es wird auch der Person, die hinter dem Begriff steckt, gerecht. Leider gibt es keinen gesellschaftlichen Leitfaden, der beschreibt, wann wir mit dem Mädchen- oder Girl-Gesage aufhören und mit dem Frau-Begriff loslegen sollten. Früher wurden Unverheiratete als Mädchen bezeichnet, aber es gibt auch Frauen, die mit Mitte 40 noch keinen Ring am Finger haben. Mädchen? Völlig unpassend! Glaube mir, ich werde heute mit 38 vom neuen Mann meiner Oma noch mit "Mädchen" angeredet und koche jedes Mal vor Wut, wenn es mal wieder passiert. Es ist herabwürdigend, macht uns und unsere Meinung unbedeutender und gibt uns ein negatives Feeling, das wir viel kleiner sind, als wir es tatsächlich sind.


Wir haben uns vorgenommen, in Zukunft darauf zu achten, wenn uns mal wieder "Schau mal das Girl da hinten mit dem roten Kleid" über die Lippen rutschen will, ganz schnell auf "Schau mal die junge Frau da hinten mit dem roten Kleid" zu switchen. Mai Thi Nguyen-Kim redet ihre Followerschaft auf ihrem YouTube-Kanal MaiLab mit "Hallo Freunde der Sonne" an, das Team vom Instagram-Account @aenne.official sagt "Wir müssen reden, Babes". Zwei gute Beispiele, wie man es anders machen kann. Wir sagen einfach "Ciao, ihr femininINNEN", ist zwar etwas umständlich, wird aber allen (jungen) Frauen definitiv gerecht!

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