• Pia Schulz

Schon mal darüber nachgedacht, auch für Mode oder Beauty Trinkgeld zu geben?

Die negativen Auswirkungen der Globalisierung sind hinreichend bekannt: unfaire Lieferketten, Hungerlöhne für die Erstproduzent:INNEN und eine ungerechte Verteilung des Wohlstandes. Das Berliner Start-up "tip me" will das ändern und hat ein globales Trinkgeld-System entwickelt, um eine faire Globalisierung zu ermöglichen und den Menschen hinter den Produkten eine Lebensgrundlage zu ermöglichen.


Trinkgeld kann für manche Menschen eine Lebensgrundlage liefern // Foto: Sam Dan Truong / Unsplash

Beim Coffee-to-go aus dem Lieblingscafé um die Ecke einen Euro Trinkgeld zu geben, ist für die meisten von uns ganz normal. Wieso machen wir das gleiche nicht auch beim Online-Shopping und unterstützen dabei die Menschen, die unsere Kleider, Schuhe oder Taschen herstellen?


Genau das hat sich der Gründer des jungen Start-ups "tip me" auch gefragt und kurzerhand selbst ein System entwickelt, mit dem das möglich ist. CEO Jonathan Funke kam die Idee zum globalen Trinkgeld bei einer Demonstration gegen Primark: „Es kam mir falsch vor, dass ein T-Shirt weniger kostet als eine Tasse Kaffee." Seitdem setzt er sich mit einem vierköpfigen Team gegen die unfairen Lieferketten und die Hungerlöhne der Arbeiter:INNEN ein. Unterstützung bekommen sie unter anderem von Fairtrade und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.


Das globale Trinkgeld von tip me verbessert die Löhne und damit die Lebensbedingungen der Arbeiter:INNEN, die in unserer globalisierten Welt das erste Glied der Lieferketten bilden. Dadurch können sich Konsument:INNEN und Produzent:INNEN erstmals auf Augenhöhe begegnen. Das Start-up hat bereits 18.771 Euro an Trinkgeldern gesammelt und direkt, sicher und ohne Abzüge an die Menschen in den Herstellungsländern gesendet.


Das Unternehmen bayti hier macht beim digitalen Trinkgeld mit // Foto: tip me

Die Mission von tip me


„Unsere Mission ist es, Lösungen für faire Produkte anzubieten. Wir möchten Transparenz und Verantwortung in Lieferketten stärken und Konsument:INNEN darin unterstützen, informierte und nachhaltige Entscheidungen zu treffen. Dafür nutzen wir die digitalen Möglichkeiten unserer Zeit.“

Das Start-up legt einen besonderen Wert auf die Auswahl seiner Partnershops. Es kommen nur Unternehmen in Frage, die fair, nachhaltig und transparent sind. Dabei müssen sie außerdem die Arbeitsstandards der International Labour Organization einhalten.


Mit wenig Geld eine ganze Familie unterstützen


tip me kooperiert zurzeit mit vier Projekten. Das erste Unternehmen, das digitales Trinkgeld eingeführt hat, war das Münsteraner Modelabel bayti hier, welches die Integration von syrischen Geflüchteten auf dem deutschen Arbeitsmarkt unterstützt. In den drei anderen Partnershops können die Konsument:INNEN Trinkgelder an Schuster:INNEN in Pakistan, Fabrikarbeiter:INNEN in Vietnam oder Textilarbeiter:INNEN in Kenia schicken. In Pakistan erhalten so beispielsweise 128 Arbeiter:INNEN einen besseren Lohn. Da in einem pakistanischen Haushalt durchschnittlich sieben Personen leben, profitieren insgesamt 883 Menschen von dem Trinkgeld.


Gründer Robin (l.) und Jonathan bei einer Trinkgeldübergabe in Syrien // Foto: Tip me
"Das Konzept ist revolutionär" - Fairtrade

tip me unterstützen? So geht's


Für Kund:INNEN gibt es zwei Optionen, um Trinkgeld zu geben. Zum einen auf der offiziellen Website, zum anderen durch ein integriertes Plug-in bei den Online-Shops der Partner. Bereits 48 Prozent aller Kund:INNEN der Partnershops nutzen das Angebot, den Produzent:INNEN etwas Gutes zu tun. Dabei besteht die Möglichkeit zwischen den Beträgen 1€, 3€ oder 5€ zu wählen.


Für viele von uns macht es keinen Unterschied, ob wir einen Euro mehr für unser T-Shirt bezahlen oder nicht. Für Frauen und Männer, die in Pakistan ein monatliches Einkommen von 105€ haben, bedeutet dieser Euro eine ganze Menge. So haben wir die Chance, den Lebensstandard einer Familie zu verbessern und unsere Wertschätzung für ihre Arbeit zu zeigen.


Jonathan von tip me mit Kindern aus einem Arbeiterviertel in Pakistan // Foto: tip me

Dieses Video erklärt das Konzept von tip me in 90 Sekunden:



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