• Katja Brömer

Realtalk Haut! So werden wir Pickel und Akne wirklich los

Aktualisiert: Nov 19

Wir wollen uns gar nicht schön reden: Wir haben Pickel, Mitesser und unreine Haut. So wie 80 Prozent aller Deutschen einmal in ihrem Leben. Während die roten Punkte bei Teenagern normal sind und man nicht weiter auffällt, können sie als Erwachsene viel störender empfunden werden. Deshalb cremen, schmieren und – ja, wir wissen, dass wir es eigentlich lassen sollten – drücken wir wie die Wahnsinnigen. Dabei können wir rein äußerlich gar nicht so viel bewirken. Nur etwa 20 bis 30 Prozent unserer äußerlichen Schönheit geht auf das Konto von Cremes, Salben und Co. Das hat uns Samira Dalnodar vom Naturkosmetikinstitut Seelenwellness in München verraten und uns gleichzeitig so spannende Dinge über unsere Haut erzählt, dass wir es immer noch nicht fassen können...

Foto: Anton/Unsplash

femininINNEN: Liebe Samira, woran liegt es, dass so viele Frauen heutzutage im erwachsenen Alter unter Akne leiden?

Samira: "Es sind viele Faktoren die hier zusammenspielen, z.B. die Ernährung, der eigene Lebensstil, unser emotionaler Zustand, virale oder bakterielle Belastungen im Körper. Für mich als ganzheitliche Kosmetikerin ist es wichtig, die Haut erst einmal anzuschauen. Sind die Unreinheiten eher oberflächlich oder tief gelegen, sind sie entzündet etc.? Nach dieser Beurteilung kann ich schon eine Richtung vorgeben, woher die Akne kommen könnte. Im Grunde kann man aber sagen, dass immer mehrere Faktoren für die Akne verantwortlich sind. Ich betrachte diese äußerlichen Merkmale eher als etwas Ganzheitliches."


Gibt es eine Art von Unreinheiten, die besonders häufig auftritt?

"Sehr oft sieht man eine lymphatische Belastung des Körpers, das heißt, dass die Unreinheiten eher im Kinnbereich auftreten. Eine Periorale Dermatitis kann ich auch ziemlich oft beobachten (Dabei handelt es sich um eine ungefährliche Hautkrankheit mit einem bläschenhaften Ausschlag im Gesicht, vor allem um den Mund und die Augen – auch Stewardessen-Krankheit genannt, d. Red.)."


Akne kann an den unterschiedlichsten Stellen auftreten, am Kinn, auf der Stirn, auf den Wangen oder am Rücken. Will uns unsere Haut mit der bestimmten Stelle etwas signalisieren?

"Die verschiedenen Reflexzonen im Gesicht spiegeln die unterschiedlichen Organe des Körpers wieder. Wenn wir jetzt noch einmal den Bereich Mund und Kinn betrachten, handelt es sich hierbei eher um die unteren Organe wie Dickdarm, Dünndarm, Darm im Allgemeinen, Geschlechtsorgane. Häufig zählt auch die Lymphe dazu, hinter den Ohren, der Kinnkante, dem Hals. Oft ist es ein Zeichen dafür, dass ein oder mehrere Organe im Moment auf emotionaler oder körperlicher Ebene stauen. Es befindet sich etwas im Ungleichgewicht. Meine Aufgabe ist es dann, durch gezielte Fragen das Ungleichgewicht zu finden und zu erläutern. In diesem Blogbeitrag kannst du nachlesen, was die einzelnen Bereiche im Gesicht zu bedeuten haben."


Unser Gehirn braucht kein Fett als Antrieb sondern Glukose

Viele suchen bei einer Akne den Hautarzt auf. Denkst du, man kann eine Spätakne auch nur mit Hilfe der Ernährung heilen?

"Gerade heute in der schnelllebigen Zeit suchen Menschen eine Wunderwaffe, die eine Akne sofort beseitigt. Der Körper denkt aber leider nicht in Tagen oder Wochen, sondern in mehreren Monaten oder Jahren. Wenn wir sehr toxisch belastet sind, lagert er so lange Toxine in unser System ein, bis wir uns wieder besser ernähren oder ihm die Möglichkeit geben, sich zu entlasten. Dann löst der Körper diese Toxine, Unreinheiten oder andere Hautanomalien sind oft die Folge. Dies ist eine Art unseres Körpers, die toxische Belastung auszuscheiden. Der Gang zum Hautarzt macht schon Sinn, vor allem, wenn wir wirklich ratlos sind. Aber auch hier sage ich: Hinterfragen ist sehr wichtig. Eine vermeintliche Wunderwaffe die sofort helfen soll, kann schädliche Inhaltsstoffe beinhalten, die Wiederrum deinem Körper schadet. 

Eine Spätakne kann man bestimmt durch die Ernährung verbessern und eine Heilung einleiten, allerdings muss oft einfach auch unser gesamtes Leben und unser Lebensstil betrachtet werden. Ein Mensch, der unter einer Spätakne leidet und sich sehr gut ernährt, kann noch immer einem stressigen Alltag ausgesetzt sein. In so einem Fall befindet sich der Körper trotzdem im Fluchtmodus und setzt andere Prioritäten als eine schöne, reine Haut. Ich denke eine ganzheitliche Herangehensweise ist die Lösung, die Ernährung alleine kann aber auch schon 60-70% bewirken."


Welche Lebensmittel würdest du generell für eine schöne Haut empfehlen?

"Sellerie, Blaubeeren, Zitronen, Orangen. Auch toll frisch gepresst am Morgen: Gurkensaft. Außerdem verschiedene Algenarten wie z.B. Spirulina. Je mehr Obst und Gemüse in die tägliche Ernährung eingebaut wird, desto besser. Vor allem Obst ist wichtig für den Körper. Viele kritisieren, dass Obst sehr viel Fruchtzucker enthält, aber zusätzlich enthält es auch wertvolle Antioxidantien. Die Kombination aus beidem ist das, was dem Körper gut tut. Unser Gehirn braucht kein Fett als Antrieb sondern Glukose."


Zitrusfrüchte und viel Wasser für eine gesunde Haut // Foto: Chris Ralston/Unsplash

Wie sehr hängt unser Hautbild von den Hormonen ab?

"Dies ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Nicht die Hormone sind Schuld, sondern Stress. Der bringt unser hormonelles System ins Ungleichgewicht und verursacht so Hautprobleme. Die Hormone tragen quasi nur eine Teilschuld, die Ursache allen Übels ist der Stress und die seelische Belastung."


Die Hormone tragen quasi nur eine Teilschuld, die Ursache allen Übels ist der Stress und die seelische Belastung

Was empfiehlst du hier? Wie können wir unsere Hormone in Balance bringen und Stress vermeiden?

"Ich würde sagen, fast alle Menschen sollten unbedingt ihren Lebensstil hinterfragen. Wir sind mittlerweile immer mehr Druck ausgesetzt und verlangen immer mehr von uns ab. Wir sind dafür gemacht, unsere Talente unsere Kreativität auszuleben, das zu tun, wofür wir uns berufen fühlen. Leider kommen wir immer mehr weg von dieser Intuition. Es geht immer mehr in Richtung „Ferngesteuertsein“. Daher sollte sich jede*r von uns hinterfragen, wie glücklich man gerade mit dem ist, was man tut."


Entspannung und Selbstfürsorge kommen im stressigen Alltag oft zu kurz // Foto: Maddi Bazzocco/Unsplash

Hast du denn einen Tipp, wie man mehr zu sich findet?

"Wir sollten mehr Bewusstsein in die kleinen Dinge des Lebens legen. Bewusstsein im Umgang mit Allem. Gönne dir auf jeden Fall etwas, das dir und deiner Seele guttut. Dabei geht es nicht um Nahrung, sondern um wirkliche Seelenmomente. Gönn dir ein warmes Bad, einen heilsamen Spaziergang ein Gespräch mit einem Menschen, den du liebst, gönn dir mehr Pausen, eine kürzere Arbeitswoche oder einfach ein wenig mehr Zeit für die schönen Dinge im Leben. Und ganz wichtig: Sieh dich als die wichtigste Person in deinem Leben an. Das bist Du nämlich. Du hast nur dich und deinen Körper – und der braucht dich am meisten."


Sieh dich als die wichtigste Person in deinem Leben an. Das bist Du nämlich. Du hast nur dich und deinen Körper – und der braucht dich am meisten

Was sind deiner Meinung nach die schädlichsten Umwelteinflüsse für unsere Haut?

"Viele sagen, es sei die Sonne, ich sage, es sind die Schwermetalle in der Luft, die Giftstoffe und Abgase. Auch Kälte, Wind und die Luftfeuchtigkeit sind stärker belastend für den Körper als die Sonne. Sonne hat rein theoretisch eine heilsame Wirkung auf den Körper. Sie zieht Giftstoffe an die Oberfläche. Natürlich ist sie mit Hautalterung in Verbindung zu bringen, vor allem jetzt, wo das Ozonloch immer größer wird. Daher ist ein Sonnenschutz vielleicht zu empfehlen, das muss jede*r für sich entscheiden. Vitamin D wird an der Hautoberfläche produziert, wenn ein Sonnenschutz vorhanden ist, kann der Körper es nicht richtig aufnehmen. Ich würde dir empfehlen, die Sonne langsam an deinen Körper zu gewöhnen und dich ihr lieber in Maßen auszusetzen. Für mich gilt: Lieber 10 Minuten bewusst in die Sonne gehen, als 60 Minuten mit Sonnenschutz brutzeln."


Viele schwören auf teure Cremes. Was denkst du, bringt allein eine äußerliche Anwendung für die Haut?

"Ich würde sagen 20-30 Prozent. Deine Ernährung und der Lebensstil spielen eine größere Rolle. Bei einer „teuren“ Creme kommt es unbedingt darauf an, was wirklich in der Creme enthalten ist. Wenn ein Produkt für 2 € produziert und für 200 € verkauft wird, weil hier das Geld in das Marketing einer teuren Marke gesteckt wird, dann ist es kein empfehlenswertes Produkt. Wenn von einer absoluten Wunderwaffe gegen Hautalterung die Rede ist, sollte man auch hellhörig werden. Falten haben oft keine oberflächliche Ursache, sondern können z.B. auch mit einer Belastung der Leber in Verbindung gebracht werden."


Warum ist die Leber für unser äußeres Erscheinungsbild so wichtig?

"Wenn man heilsamere Lebensmittel zu sich nimmt, die der Leber guttun und den radikalen Fettverzehr reduziert, kann man vieles wieder gut machen. Es gibt Menschen, die schon tiefe Furchen und Falten hatten, da sie z.B. jahrelang geraucht, viel Alkohol getrunken oder sich schlecht ernährt haben, deren Haut sich durch eine Ernährungsumstellung komplett verändert hat. Ich konnte diese Veränderung ganz stark bei meinem Vater beobachten.
 Er ist früher nicht so gut mit sich umgegangen, hat viel Alkohol
 getrunken, viel gegessen und war auch in seinem Job nicht glücklich. 
Seit ca. sechs Jahren isst er viel Rohkost, ernährt sich vegan und der 
Vergleich zu vorher ist einfach Wahnsinn. Die Augen sind viel klarer, die Haare sind dichter geworden und seine Haut ist strahlender und glatter."


Kann man denn auch mit Beauty-Produkte nachhelfen?

"Man braucht nicht jeden Tag ein Peeling oder eine Maske. Die Haut meistert vieles schon ganz allein. Sie braucht nur ein wenig Unterstützung dabei, schon alleine weil wir draußen Smog und Abgasen ausgesetzt sind. Daher ist eine gute Reinigung zu empfehlen, die schädliche Stoffe erst gar nicht in die tieferen Hautschichten eindringen lässt. Die wichtigsten Steps sind meiner nach: Reinigen, Tonisieren und eine wirkstoffreiche Creme oder aber gerne auch nur ein Serum oder Öl. Je nach Hautbedürfnis."


Zu viel cremen ist oftmals nicht notwendig // Foto: Mathilde Langevin/Unsplash

Heißt wirkstoffreiche Creme in diesem Fall auch Naturkosmetik?

"Bevor ich meine Ausbildung als ganzheitliche Kosmetikern begonnen habe, habe ich auch chemische Produkte auf meiner Haut verwendet. Einfach, weil ich es nicht besser wusste. „Chemie“ ist nicht hautidentisch, Naturkosmetik dagegen hat Inhaltsstoffe, die der Haut so ähnlich sind, dass der Körper sie besser aufnehmen kann. Die Naturkosmetik kann viel tiefer eindringen und nicht nur die obersten Schichten pflegen. Sie wirkt nachhaltiger, vielleicht sogar bis zur Basalzellenschicht (hier entstehen unsere Zellen)."


Und chemische Produkte?

"Chemische Produkte wirken auf der Hornschicht, maximal auf der Leuchtschicht, also relativ oberflächlich. Vielleicht kennst du das Gefühl nach dem Duschen, wenn die Haut sofort anfängt, zu spannen und wir das Gefühl haben, wir sollten uns sofort wieder eincremen. Dieses Gefühl kann von der jahrelangen Verwendung von chemischen Produkten herrühren, da die Haut immer nur oberflächlich gepflegt wurde. Bei der Naturkosmetik hingegen, sind die Moleküle, denen unserer eigenen Haut so ähnlich, dass sie viel tiefer in die Haut eindringen können. Wenn man sich z.B. eine Aloe Vera-Pflanze unter dem Mikroskop anschaut, ist die Struktur der Schleimhaut unserer eigenen sehr ähnlich. Daher liebt unsere Haut die Pflege mit Aloe Vera wirklich sehr."


Die Aloe Vera Pflanze ist ein Beauty-Geheimtipp // Foto: pisauikan/Unsplash

Wir stehen in der Drogerie und suchen eine Creme die genau zu unseren Bedürfnissen passt. Wie gehen wir da am besten vor und auf welche Inhaltsstoffe sollten wir achten?

"Man sollte sich erst einmal fragen: Was möchte ich? Und, was möchte meine Haut? Soll meine Creme nachhaltig sein? Naturverifiziert? Benötigt meine Haut viel Feuchtigkeit oder eher Fett? Dann ist es ganz wichtig, auf die Inhaltsstoffe zu schauen. Ich persönlich würde dir empfehlen auf Naturkosmetik zu setzen. Sobald du den Tiegel umdrehst und bei den Inhaltsstoffen viele Endungen mit „ol“ liest, sind viele Alkohole enthalten. Heißt konkret: Zurück damit ins Regal! Auch Inhaltstoffe mit den Endungungen "-methicone" und "-siloxane" besser vermeiden, dabei handelt es sich nämlich um Silikone. Man kann sagen, dass manche Inhaltsstoffe schlecht für Haut und Haare sind. Ich würde vor allem Aluminiumsalze, Benzophenon, Mineralöle, Paraffine, synthetisches Glycerin aber auch Formaldehyd, Parabene, Weichmacher, Silikone, Emulgatoren und Tenside vermeiden. Auch bei Duftstoffen wäre ich grundsätzlich vorsichtig. Natürlich darf man nicht alle Stoffe in einen Topf schmeißen, allerdings sind viele dieser Stoffe stark gesundheitsbedenklich. Ein Produkt mit reichlich Wirkstoffen ist eines, das unsere Haut unterstützt. Füllstoffe füllen zwar den Tiegel, haben aber meist keinerlei pflegende sowie nährende Eigenschaften für die Haut. In meinem Studio biete ich auch eine Art „Live-Codecheck“ an. Kund*INNEN können mir ein Foto der Inhaltsstoffe zusenden, ich schaue mir diese dann genau an und gebe meine Einschätzung dazu ab."

Hier ein paar INCI-Bezeichnungen, die du bestmöglich meiden solltest:


Alumina

Aluminium Chloride

Aluminium Stearate

Aluminium Powder

Cl77000

Butyl Methoxydibenzoylmethane Oxybenzone

4-Methylbenzylidene Camphor

Benzophenone-1 bis -4

Triclosan

Sodium Hydroxymethylglycinate

Hexamidine Diisethionate

2-Bromo-2-Nitropropane-1,3-Diol

Quaternium-15

Mineral Oil, Petrolatum

Paraffinum Liquidum

Paraffinum Subliquidum

Cera Microcristallina

Microcrystalline Wax

Ozokerit

Ceresin

Vaseline

Propylparaben

Btylparaben

Methylparaben

Ethylparaben

Isobutylparaben

Isopropylparaben

Diethyl Phthalate

Diethylhexyl Phthalate

Di-n-Butylphthalat (DBP)

Propylene Glycol

1,2-Propanediol

1,2-Dihydroxypropane

Methyl Ethyl Glycol (MEG)

Methylethylene Glycol

PEG

PPG

Ceteareth-8

Polyethylenglykol

Dimethicone

Trimethicone

Methicone

Amodimethicone

Polysiloxane

Sodium-Lauryl-Sulfat

Sodium-Laureth-Sulfat

Ammonium-Lauryl-Sulfat Sodium-Myreth-Sulfat.


Danke, liebe Samira für das super spannende Interview!

Wenn du mehr erfahren, eine persönliche Beratung oder Gesichtsbehandlung bei Samira und ihrem Team buchen möchtest, dann schau mal hier vorbei.


Rund um das Thema Haut, Ernährung und mentale Gesundheit dreht sich auch Samiras Podcast "Ganzheitlich Natürlich Schön".


Samira vom Naturkosmetikinstitut Seelenwellness in München // Foto: Katja Brömer

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