• Charlotte Andersson

Roma Ti Amo… Eine Liebeserklärung an die schönste Stadt der Welt



Eigentlich dreht sich in meinem Leben alles um Italien.


Ich liebe italienisches Essen, ich fahre eine Vespa, verehre Giorgio Armani, lebe am liebsten in “Monaco di Baviera”, quasi der nördlichsten Stadt Italiens und verbringe dort ganze Samstage bei der italienischen Supermarktkette Eataly. Neben Pizza, Pasta und Amore, schlägt mein Herz aber vor allem für Rom. Mindestens 120 Dezibel laut.

Auch wenn es so viele entzückende Ecken entlang des Stiefels gibt, Rom ist der Ort, an dem ich das Gefühl habe, weg und gleichzeitig zu Hause zu sein. Rom ist Heimat und Zufluchtsort. Egal in welcher Lebenslage – Uniabschluss, Beförderung, ja selbst nach meiner letzten Trennung kam ich hierher. Einfach um mich der gar surrealen Schönheit diese knapp 3-Millionen-Einwohner-Metropole hinzugeben.


Aber von vorne.


Der Weg nach Rom: Dieser Kampf ist es wert


Schon auf dem Weg vom Flughafen Fiumicino entlang dürrer Felder, die einzig von heruntergekommenen Achtzigerjahre-Bunkern und ehemaligen Industriegebieten unterbrochen werden, heben sich meine Mundwinkel wie von selbst. Am Termini angekommen bekommt man einen Vorgeschmack auf das charmante Chaos, das einen in der Stadt erwartet. Über zwei Ebenen wuseln, brüllen und gestikulieren die Menschen wild und meist mit Mobiltelefon am Ohr. Vor Corona war auch die Fahrt mit der Metro selbst ein kleines Abenteuer. Wer es überhaupt in eine der rappelvollen Bahnen schaffte, brauchte eine gehörige Portion Selbstbewusstsein, um wieder hinaus zu kommen. Nett fragen, ob man mal durch könnte, ist nicht. Wer aussteigen möchte, der quetscht, schiebt und schreit vor allem quer durch das Abteil. “Scendo!”, was so viel heißt wie: “Ich steige aus!”. Wer das noch nie gemacht hat, den mag es Überwindung kosten – Das erste Mal versucht man es verhalten, das zweite Mal mit Nachdruck, aber frühestens beim dritten Versuch wird einem überhaupt Beachtung geschenkt. Irgendwann denkt man sich dann: Who cares!? Und, promesso, das ist der Augenblick, in dem man derart Eindruck schindet, dass einem im Anschluss das ganze Abteil geradezu salutiert. “Alles klar Signora, ich mach’ ja schon Platz”.

Na also, geht doch!


Fotos: Charlotte Andersson


Anyways, vor allem im Sommer (bei oftmals bis zu 40 Grad), sollte man die wenig klimatisierten Metros ohnehin meiden und jede erdenkliche Strecke zu Fuß gehen. So sieht man sowieso am meisten von der Stadt.

Mein liebster Ort für ein Airbnb ist Prati. Eine nette Gegend am rechten Tiberufer, abseits der großen Touri-Ströme. Von hier lässt sich alles blitzschnell erreichen. Dreh-, Angel- und für mich auch noch immer Orientierungspunkt ist die Via Cola di Rienzo.


Oh Rom, du und dein besonderes Flair...


Die vierspurige Hauptstraße ist von barocken Prachtbauten gesäumt, von der unzählige kleine Kopfsteinpflaster-Gassen abgehen, durch die man sich einfach treiben lassen muss.


Ja wirklich, vergesst den Stadtplan oder Google Maps und träumt Euch auf eine der gigantischen und für Rom so typischen Dachterrassen. Alle zieren mindestens ein halbes Dutzend prallgefüllter Orangen-, Feigen-, Zitronen- und Olivenbäume, prachtvoll blühende Oleander, Zypressen und Basilikumsträucher. Kleine Oasen, die vor allem bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang ein so poetisches Bild schaffen, dass man als Besucher derart gefesselt ist und am Abend nicht selten mit gelinder Genickstarre ins Bett fällt.


Zurück auf der Hauptstraße mündet die Via Cola di Rienzo in die Piazza del Popolo. Ein imposanter Platz, dessen Mitte ein Obelisk ziert und der von einer holprigen Straße umgeben ist. Hier gilt: Träumer-Mood aus! Augen auf! Sensoren an! Denn der Verkehr ist hemmungslos.

Eine Vespa nach der anderen flitzt mit Karacho an einem vorbei. Überall hupende Fiat-500- und blökende Taxifahrer.


Ich liebe das.



Rom: Die Stadt mit den schönsten Sonnenuntergängen, ever!


Wer weiter über die Piazza del Popolo spaziert, bekommt einen Eindruck, von welch gigantischem Ausmaß die Stadt ist. Das Auge schweift nach links, über die Aurelianische Mauer hin zur Kirche Santa Maria Del Popolo. Hier befinden sich Kunstwerke von Pinturicchio, Andrea Bregno, Raffael, Bramante, Caravaggio und Bernini. Rechts, die Zwillingskirchen Santa Maria dei Miracoli und Santa Maria di Montesanto. Prächtige Kuppelbauten mit tempelartigen Portikus. Oberhalb des Platzes thront der Pincio. Eine Aussichtsplattform, von der aus man den beeindruckendsten Sonnenuntergang ever (!) erlebt. Ich übertreibe nicht. Denn eines ist sicher, das Licht in Rom ist besonders. Warm, eher rot als gelb, vielleicht grapefruitfarben. Auch deswegen sind Spaziergänge am frühen Abend ein einziges Dahinschmachten.


Während die Sonne die Stadt und ihre Bauwerke in diesen friedvollen Orangeton tränkt und die Römer*INNEN auf einem Aperitivo (gerne in der gleichen Farbe) in eine der unzähligen Bars trödeln, denkt man sich als Besucher nur: “Kann ich schreien vor Glück?”.

Hier bleiben wäre auch eine Option. Gibt ja noch so viel zu sehen.

Zum Beispiel das Viertel Trastevere inks des Tibers. Das einstige Arbeiterviertel gilt heute als trendiges Bohème-Quartier: laut, quirlig, lässig. Restaurants, Bars,

Künstler, Studenten trifft man hier zuhauf. Gerade in den Sommermonaten kann man bei lauen 25 Grad praktisch die ganze Nacht in den rauen Gässchen verbringen. Entweder in einem der traditionellen Restaurants oder draußen auf der Piazza. Hauptsache, man schafft es morgens früh genug aus dem Bett. Oder zumindest vor 11. Denn bis dahin trinkt man in Italien Capucci – ein, zwei, vielleicht auch drei. Begleitet von Sfogliatelle oder Cornetto. Am liebsten die mit unverhältnismäßig viel Pistaziencreme.


Alleine bei dem Gedanken bekomme ich glückseliges Herzklopfen.

Auch wenn man diese mich-hoffnungslos-glücklich-machende-Kombi an praktisch jeder Ecke bekommt, gibt es die besten bei Giolitti in der Via degli Uffici del Vicario.

Ich fühle mich dort wie ein Kind im Spielzeugladen – vorausgesetzt das Faible für randvolle, mit handgemachtem Gelato gefüllte Vitrinen oder mit knallbunter Glasur überzogene Dolcis ist da. Schon der Anblick verpasst einen gewaltigen Zuckerschock und entlässt einen mit einer Art Hochgefühl in den Rest des Tages.




Für alle, die glückstrahlend das Café verlassen, ist das die kleine Definition des Glücks. Ein bisschen wie “keine Termine und leicht einen sitzen”, nur eben ohne Alkohol.

Aufgeputscht streife ich weiter, über die Via Condotti (Roms elegantester Einkaufsmeile!) zur Piazza Venezia (das weiße Monumento Nazionale a Vittorio Emanuele II ist überwältigend!), durch das Ghetto. Hier unbedingt Artischocken essen! Carciofi alla giudìa, also Artischcken nach jüdischer Art, sind frittiert und werden mit einem leichten Dip serviert. Alla Romana werden sie gekochten und mit einem Spritzer Olivenöl garniert. Einfach göttlich (kein Witz!). Wer sich den anschließenden Weg auf den Aventin-Hügel ein wenig versüßen möchte, gönnt sich ein Glas eisgekühlten Vino dazu.


Der circa 20-minütige Fußmarsch lohnt sich auf jeden Fall. Übrigens kommen wir auch sportlich gesehen in Rom voll auf unsere Kosten. Alleine östlich des Tibers ist die Stadt von sieben Hügeln umgeben. Aber das nur am Rande. Hier oben verbirgt sich jedenfalls der Giardino degli Aranci. Alleine der Name des zu Deutsch “Orangengartens” klingt doch wie Musik in den Ohren, oder? Obendrauf bietet der aber auch den schönsten Blick auf den Petersdom. Da fällt es schwer, nicht melancholisch zu werden.


Tipp: Lasst Euch beim Abgang Zeit. Schlendert lieber, anstatt zu marschieren und vergegenwärtigt euch – unten angekommen – einmal kurz die Dimension des Forum Romanum. Grande!



Wer noch Zeit hat, macht von hier aus einen Abstecher in den dahinter liegenden Parco della Villa Celimontana. Für mich der schönste römische Park. Dass er nur unweit des jährlich millionenfach besuchten Touristenmagneten, dem Kolosseum, liegt, mag man hier gar nicht glauben. Außer einigen Müttern mit Kindern, Rentnern und Kunststudenten verirren sich hierher nur wenige. Und das, wo es geradezu paradiesisch ist: Ein Palazzo im Renaissancestil, ein gotischer Tempel, Überbleibsel antiker Ausgrabungen, Springbrunnen, zwitschernde Vögel und gigantische Pinienbäume. Gehen mag man eigentlich nur dann, wenn man hungrig ist – nach einer Portion Nudeln oder danach den Rest der Stadt zu erkunden. Oder eben beidem.


Im Schlenderschritt geht es bergab in Richtung Via Torre Argentina. Das Ziel: Roscioli. Etwas auf die Hand bekommt man in deren “Antico Forno”. Einer Art hauseigener Bäckerei. Pizze, Pane, Panettone. Ein Schlaraffenland für Schlemmermäuler. Aber Obacht: Vor allem um die Mittagszeit ist hier die Hölle los. Das Gerangel um die heißbegehrten Arancini (frittierte Reisbällchen) gleicht einem Nahkampf. Lohnt sich aber, promesso! Wer lieber sitzen will ist in der Salumeria, dem Delikatessengeschäft des Familienunternehmens, richtig. Hier belohnt man sich mit kleinen Vorspeisen (Bufala), einer Portion Pasta (Cacio è Pepe) und einem Glas Vino (bianco!). Und dann: Die Zeit vergessen!


In Rom ticken die Uhren ohnehin anders.


Ich frage mich, warum das Sprichwort “Leben, wie Gott in Frankreich” nicht “Leben, wie Gott in Rom” heißt. Passen würde es doch viel besser.

Vielleicht sollte ich den Kopf aber auch einfach mal abschalten. Schließlich haben einige der größten Dichter und Denker von Rom geschwärmt. Goethe zum Beispiel. Als der während seiner großen Italienreise 1786 nach Rom kam, schreibt er: “Ich bin endlich in der Hauptstadt der Welt angelangt”. Das trifft es.


Mehr noch: Für mich ist Rom nicht nur Hauptstadt der schönen Welt, sondern auch Zufluchts- und allem voran Sehnsuchtsort. Und das per sempre.


Oh Roma, ti amo!

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