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Joko und Klaas – Männer Welten: Die ehrlichste Ausstellung über (sexuelle) Gewalt gegen Frauen

Aktualisiert: Sept 4

Sie gewannen gegen ProSieben und setzten mit ihrem Preis der gewonnenen 15 Minuten Sendezeit ein starkes Statement. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf widmeten einem der wichtigsten Themen, über das viel zu selten gesprochen wird, eine bewegende, teilweise verstörende, aber sehr gut gemachte Mini-Sendung: sexuelle Gewalt gegenüber Frauen. Und liessen auch nur Frauen zu Wort kommen...

Photo: © Molly Belle/Unsplash

"Es wird hart, es wird bitter und für manche kaum zu glauben, aber wir müssen da jetzt gemeinsam durch." So empfängt JournalistIN und ModeratorIN Sophie Passmann die Zuschauer*INNEN. Sie führt damit ein in eine Ausstellung, die es laut Passmann nur einmalig geben wird: Männer Welten.


Jede vierte Frau hat schon mal ungefragt ein Schwanz-Foto geschickt bekommen


Von der Kamera begleitet, läuft Passmann durch dunkle Räume, die je nach Thematik in helles Licht getaucht werden. Als erste Kurator*IN empfängt sie Moderator*IN und Schauspieler*IN Palina Rojinski, die Dick Pics vorführt, die sie und andere Frauen ungefragt über Instagram und Co. zugeschickt bekamen. Erst ein großes, dann sieht man auf der Wand – jeweils mit einem schwarzen Balken versehen – viele kleine und ganz unterschiedliche Genital-Bilder. Nur eine kleine Auswahl. Mit einer YouGov-Studie mit mehr als 2000 TeilnehmerINNEN wurde untersucht, wie viele Frauen bereits Dick Pics zugeschickt bekamen. Es sind 46 Prozent, 89 Prozent von ihnen ungefragt. Vier von zehn Frauen haben demnach schon einmal den fremden Schwanz eines Mannes in ihrem Postfach empfangen.


Frauen werden auf ihr Geschlecht und ihr Äußeres reduziert


Dann läuft Passmann weiter. Man sieht einen Bildschirm jeweils rechts im Bild. Dann treten ModeratorIN Jeannine Michaelsen, JournalistIN Visa Vi und Model Stefanie Giesinger links dazu und lesen Kommentare vor, die sie über Social Media erhielten. Sie werden dabei auf ihre Haare, ihre Kleidung und ihr Geschlecht reduziert. Männer wollen ihre Schwänze in jegliche Öffnung des Körpers stecken, sie müssen Begriffe lesen wie "blasen", "pimpern", "Spalte", "lutschen" oder "süße Milchbehälter" als vermeintlich niedliche Umschreibung für ihre Brüste.


Harmloses Texting wird zum übergrifflichen Sexting


Collien Ulmen-Fernandes und JournalistIN Katrin Bauerfeind lesen sich dann gegenseitig Konversationen von Twitter oder WhatsApp vor, in denen Frauen von Männern erst ganz normal angeschrieben wurden, sich aber schnell auf das eine reduziert fühlen mussten. Erst ein nettes "Hey, wie geht's dir?", später dann ein "überleg's dir, meinen Schwanz bekommt nicht jede".


Frauen erzählen, wie sie sexuelle Übergriffe gegen sich erlebten


Im nächsten Raum stehen Frauen an verschiedenen Plätzen im Raum, dieser ist abgedunkelt. Kommt eine Frau zu Wort, wird ein Licht auf sie gerichtet. Sie erzählen über ihre Erfahrungen mit sexuellen Übergriffen. So wurde eine Frau zum Beispiel von einem Taxifahrer unsittlich berührt, der auch noch die Türen versperrte, einer anderen wurde auf einem miesen Date in einem überfüllten Restaurant einfach der Schwanz ihres Gegenübers präsentiert.


Kleidung von Vergewaltigungsopfern


Der letzte Raum zeigt verschiedene Outfits, die Opfer von Vergewaltigungen zur Tat trugen. Aus dem Off erzählen die Frauen über diese furchtbaren und schockierenden Momente. Dieser Raum soll verdeutlichen, wie absurd die Frage doch ist, was man zur Tatzeit an hatte. Legitimieren ein kurzer Rock oder ein Badeanzug etwa eine Vergewaltigung? Dürfen Männer Frauen einfach so berühren, nur, weil diese ein Minikleid oder kurze Shorts tragen? Es ist eine absurde Frage, denn nichts und rein gar nichts legitimiert es.


Deshalb kommt Passmann am Ende zur Erkenntnis, dass es sich bei dieser Ausstellung um eine Dauerausstellung dreht, denn sexuelle Gewalt gegenüber Frauen passiert täglich. Und es ist kaum ein Ende in Sicht...

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