• Birgit Bulla

Ist es ok, seine Mitmenschen auf Klimaverstöße anzusprechen?

Aktualisiert: Sept 4

Eine Frau steht im Supermarkt, nimmt sich eine Bananenstaude und steckt sie ganz selbstverständlich in eine Plastiktüte. Danach kommen noch ein paar Zitronen und eine Gurke dazu. Auch die werden in Plastiktüten verpackt. Alle einzeln natürlich. Aber was macht man in so einem Fall? Ansprechen und aufklären? Oder lieber nichts sagen und sich im Stillen ärgern? Redakteurin Birgit hat da ihre ganz eigene Meinung.

Wir sagen Plastik den Kampf an / Photo: © Karina Tess/ Unsplash

Ich bin ein Mensch, der seine Mitmenschen beobachtet. Und zwar nicht nur die, die ich kenne und mit denen ich mich unterhalte, sondern Wildfremde. Oft passiert das im positiven Sinn, so nach dem Motto: "Wow, was für eine tolle Ausstrahlung der Typ da in der U-Bahn hat" oder ich frage mich, ob mir so eine Ponyfrisur, wie sie das Mädchen an der Supermarktkasse hat, auch stehen würde. Immer häufiger kommt es aber auch vor, dass ich mich aufrege. Über Verhaltensweisen, Gespräche und Meinungen meiner Mitmenschen. Und eben auch über Szenen, wie oben beschrieben: Eine Person verpackt Bananen in eine Plastiktüte und müllt unseren Planeten damit zu. In meiner Fantasie treibt die Plastiktüte nämlich schon im Ozean, wird einer Wasserschildkröte gefressen, die qualvoll daran verendet.


Warum gibt es immer noch so viele Menschen, die den Knall nicht gehört haben und nicht mitdenken. Leute! Wir haben ein massives Plastik-/Müllproblem. Da muss es doch nicht sein, dass ich mein Obst oder Gemüse noch extra verpacke.


Genauso sauer stößt es mir auf, wenn ich einen dicken SUV nach dem anderen sehe. Warum um Gottes Willen fahren so viele Menschen diese Spritschleudern? Wie in einem Panzer sitzt dann meistens nur eine Person in dem Wagen, brettert über die Straßen und schleudert damit ordentlich Abgase in die Luft (laut Autobild verbrauchen große SUVs bis zu 17,4 Liter pro 100 Kilometer). Eine echte Kampfansage an die Umwelt – und damit an uns alle. Hierzu gibt es eine coole Reportage von hr Fernsehen "Sind SUV asozial?". Da geht es genau um dieses Thema.


Auch schlimm: Menschen, die ihren Kaffee im ToGo-Becher ordern und dann am besten noch einen Strohhalm dazu brauchen. Was seid ihr? Babys, die nicht gelernt haben, wie Erwachsene zu trinken? Dann doch lieber eine Schnabeltasse. Die Liste an Dingen, die Menschen tun und mich damit tierisch aufregen, könnte ich ewig weiterführen und ich frage mich: Muss das sein? Muss das sein, dass gewisse Menschen sich anscheinend null Gedanken über die Umwelt und unseren Planeten und die momentanen Probleme machen, sich rausnehmen, was sie wollen, während wir anderen uns einschränken? Und muss ich das einfach so hinnehmen? Ich sage: Nein! Nicht mit mir!! Ich will diesen ganzen Frust nicht mehr in mich hineinfressen und mich innerlich über diese Menschen aufregen. Damit schade ich mir auf Dauer nur selbst.


Deswegen mache ich meinem Ärger Luft und habe angefangen Menschen auf ihre Umweltvergehen anzusprechen. Ganz offen und locker. Das kostet anfangs natürlich jede Menge Überwindung und man kommt sich komisch vor. Spießig und unverschämt vielleicht. Aber natürlich macht hier der Ton die Musik. Wildfremde Menschen vor anderen rund zu machen, weil sie sich einen Plastikstrohhalm zum Cappuccino wünschen, wäre unfair und peinlich. Und eine Mobberin bin ich nun wirklich nicht. Mir ist es ganz wichtig, freundlich auf die Menschen zuzugehen und sie aufzuklären.


Bei der Bananen-Frau ging das ungefähr so: "Entschuldigen Sie, darf ich Sie etwas fragen? Warum verpacken Sie ihre Bananen in Extra-Plastik? Wir haben ja ein massives Plastikproblem, da wäre es wirklich wichtig, dass wir alle zusammenarbeiten und Plastik reduzieren, wo es geht...". Klar, hat die Dame erst mal etwas verdattert geschaut und war peinlich berührt. Aber sie hat mir zugestimmt und gesagt, dass sie in Zukunft darauf achten wird. Ob das stimmt, weiß ich natürlich nicht. Das Wichtigste: Ich hatte ein besseres Gefühl, weil ich etwas getan hatte. Anscheinend ist es nämlich (leider) wirklich noch so, dass viele Menschen, den Knall nicht gehört haben. Sie wissen es einfach nicht besser. Fragt mich nicht wie, es gibt aber tatsächlich Leute, die die Wörter "Klimawandel" und "Erderwärmung" noch nie gehört haben. Und genau die kann man durch freundliches Aufmerksam-machen und Aufklären abholen.


Daneben habe ich auch angefangen, E-Mails an Unternehmen zu schicken, die unnötig viel Plastik verwenden. Als Kunde*IN hat man da natürlich noch mal einen anderen Einfluss. Ob's was bringt? Keine Ahnung. Mir bringt es aber auf jeden Fall etwas. Ich fühle mich besser, befreit und habe das Gefühl, wenigstens ein bisschen etwas getan zu haben.


Aber klar. Natürlich kann man auch über mein Verhalten streiten und mich als Spießer*IN, Spielverderber*IN oder Miesepetra betiteln. Da hat ja jeder seine oder ihre eigene Meinung. Und natürlich ist dieses öffentliche Anquatschen von Leuten auch nicht für jeden etwas. Ich habe für mich aber gemerkt, dass es mir besser geht, wenn ich genau mit den Menschen spreche, die in meinen Augen Dinge tun, die der Umwelt schaden und die man vermeiden kann. Es ist ja schließlich nicht so, als ob Mutter Natur der Banane sowieso schon eine Schale zum Schutz mitgegeben hätte.


Aber gut, genug von den Bananen. Ich fände es super, wenn ich demnächst beim Einkaufen im Supermarkt eine andere Person sehe, die Mitkund*INNEN auf ihren Plastiktütenverbrauch anspricht. Dann hätte dieser Post schon mal geholfen. In diesem Sinne: Bleib sauber und achte bitte darauf, dass es die Natur auch bleibt.

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