• Stephanie Morcinek

Vergiss Body Positivity! Wir sind für #Bodyneutrality

Aktualisiert: Okt 26

Die Gesellschaft diskutiert ständig über ein gutes Körpergefühl. Auf der einen Seite stehen die Dünnen, auf der anderen Seite die Mehrgewichtigen. Dabei ist weder das eine noch das andere besser oder schlechter bzw. gesünder oder ungesünder. Wir fordern einen neuen Terminus für unsere Körper: Die Body-Neutralität!


Jeder Körper ist schön. Das propagiert die neue Underwear Kollektion 2019 von Monki // Photo: Monki

Tatsache ist: Wir alle haben einen Körper. Ob der nun dick, dünn, zu lang, zu kurz oder etwas asymmetrisch gewachsen ist, hat in den meisten Fällen mit unseren Genen, eiserner Disziplin und unserer Einstellung zu Lebensmitteln und Genuss zu tun. Doch er ist ständig Thema.

Wenn wir in die Pubertät kommen, sich die Knospen am Oberkörper plötzlich in Brüste verwandeln, fängt das ständige Sich-Vergleichen an. Im Sportunterricht, mit FreundINNEN in der Umkleidekabine, mit den anderen Mädels auf der Straße. Schnell kommt die Frage auf: Was ist normal?


Die Antwort ist sehr simpel, doch will sie irgendwie keiner wahr haben. Normal ist NICHTS. Gar nichts. Denn JEDER Körper ist anders. Jeder. Es gibt quasi kaum zwei Bodys, die sich gleichen. Eineiige Zwillinge kommen sich körperbaumäßig sehr nahe, doch auch hier wird sich vielleicht im Busen-Vergleich herausstellen, dass die Brustwarzen von Schwester A von Mutter Natur etwas größer oder weiter rechts angeordnet wurden als die von Schwester B.


Ständig steht der Körper im Fokus


Die Bewegung der "Body Positivity" feiert jeden Körper, egal, ob er nun den aktuellen Schönheitsidealen entspricht. Das inkludiert aber auch, dass wir unseren Körper ständig im Blick haben, ihn fokussieren und zum Dauerthema machen. Das Wort Selbstliebe fällt in diesem Zusammenhang sehr häufig und wird gebetsmühlenartig von vielen verschiedenen Frauen mit ganz unterschiedlichen Körperformen gefeiert. Die, die dünn sind, regen sich über die "Fetten" auf. Die die curvy sind, wettern gegen die Dünnen und werfen ihnen teilweise sogar eine Essstörung vor. Es mag in Magazinen oder auf Social Media Frauen geben, die für jedes Like mit ihrem nicht angerührten Abendessen bezahlen. Das ist nicht gesund und erfüllt keineswegs eine Vorbildfunktion. Doch auch die andere, die beleibtere Seite ist nicht ganz frei von gesundheitlichen Spätfolgen.


Übergewicht ist genauso fatal wie Magersucht


Wie eine aktuelle Studie des Statistischen Bundesamtes zeigt, ist in Deutschland bereits jeder Zweite zu dick – das sind 40 Millionen Menschen! Die Prognosen sind düster: Forscher des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels prophezeien einen Anstieg der Zahl der Fettleibigen bis 2030 um 80 Prozent. Vor allem das Fett am Bauch ist gefährlich. Es kann zu Bluthochdruck führen, zu Diabetes mellitus, zu Herz-Kreislauf-Problemen und wird von Wissenschaftlern auch für diverse Krebsarten verantwortlich gemacht.



Erst kürzlich musste sich die JournalistIN Tanya Gold wegen ähnlicher Aussagen in einem Artikel für den Telegraph einen riesigen Shitstorm über sich ergehen lassen. Sie leide an Fatphobia schrieben da einige Hater und beschimpfen Tanya aufs Übelste. Der Anlass für ihren Artikel waren im Londoner Nike-Store aufgestellte Mannequins für curvy Frauen. Sie warf Nike damit vor, Fettsucht zu verherrlichen und Krankheiten zu verharmlosen, die durch zu viel Körperfett entstehen würden. Und sie schrieb weiter, dass derart beleibte Frauen niemals "ready for a run" wären. Doch kaum war der Artikel veröffentlicht, kamen die Gegenstimmen von Frauen, die vielleicht keine Marathon-Figur haben mögen, die es jedoch mögen, ihren Körper durch Laufen fit zu halten und deshalb auf Sportkleidung in ihrer Größer angewiesen sind. Beide Seiten haben irgendwie Recht und dann auch wieder Unrecht. Es ist eine wirklich verzwickte Lage mit den ganzen Fettreserven, Extra-Kilos und – im Englischen ist das Wort einfach zu schön – wobbly bits.



Neutralität gegenüber unseren Körpern


Während die einen ihre curvy Körper abfeiern, die anderen ihre dünnen, gibt es auch diejenigen Frauen, denen ihr Körper einfach egal ist. Die wissen und hinnehmen, dass sie einen Body haben, ihn jedoch nicht ständig in den Fokus stellen, sondern ihr Leben leben ohne es ständig um Brüste, Ärsche oder Oberschenkel drehen zu lassen. Doch dieses Körpergefühl ist ausgedrückt in der Instagram-Hashtag-Währung noch relativ neu. Während es für #bodypositivity bereits über 5,8 Millionen Einträge gibt, sehen die körperneutralen #bodyneutrality-Beiträge mit 82.000 noch bescheiden aus (Stand: 26.10.2020). Doch es wird mehr. Denn wir möchten das ständige Vergleichen abschaffen. Genauso wie die Amerikaner*IN Melissa Fabello, die bereits 2015 auf ihrem Blog Body Neutrality forderte. Sie plädiert dafür, das eigene Wesen und den Charakter hervorzuheben und nicht sein äußeres Erscheinungsbild. Wir sind mehr als volle Brüste oder knackige Hintern. Wir sind Intellekt, Bildung, Charme, Aura. Das impliziert auch, dass wir nicht ständig das Gefühl haben, schöner oder hipper sein zu müssen als andere.


Körperneutralität fordert eine Akzeptanz des Körpers, ein Annehmen, so, wie er ist. Ohne Hinterfragen. Ohne Vergleichen. Ohne Selbstzweifel und auch ohne aufgezwungene Selbstliebe. Einfach Sein. Einfach Leben. In einer Gesellschaft, in der Aussehen nicht das ist, was zählt. Und schon gar nicht, ob unser Körper einer Birne oder einer Banane gleicht. Das wäre doch einen neuen Hashtag wert: #lifepositivity.

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