• Stephanie Morcinek

Keine Kinder bekommen als Zeichen für den Klimaschutz?

Aktualisiert: Sept 24

Wir sind im Moment 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. 2050 sollen es 9,7 Milliarden sein. Mehr, als die Erde eigentlich fassen kann. Und so viele, dass wir schon jetzt die Ressourcen aufgebracht haben und auf Kosten zukünftiger Generationen leben. Die Lösung? Ein Geburtenstreik. Warum es fürs Klima gar nicht so schlecht sein könnte, aufs Elternsein zu verzichten.

Aufs Kinderkriegen verzichten, um die Umwelt zu schützen? / Photo: © Aix Style/ Unsplash

Würden wir uns in einem Hollywood-Film befinden, sähe sich die Menschheit einigen Monstern gegenüber. Da wäre die unsichtbare Corona-Bestie, die zuschlägt, wenn du es nicht merkst. Das Rassismus-Ungetüm, das schlechte Gedanken und Verschwörungstheorien in unsere Köpfe einpflanzt und das Klima-Ungeheuer, das erst grün und voller Leben war und mittlerweile ganz braun und schon ein bisschen anfaulend uns anklagend immer wieder laut entgegenbrüllt. Im Film würde sich ein*e Held*IN aus der Masse herauskristallisieren, der/die mit Intelligenz und Weisheit die Monster bekämpft und den Planten rettet.


Doch was machen die Menschen, die etwas bewegen könnten, die genug Macht und Einfluss hätten und Held*INNEN sein könnten, weil die Mehrheit ihrer Wähler*INNEN in ihnen etwas Positives für ihre eigene, aber auch für die Zukunft des Landes sieht? Die Trumps oder Bolsonaros dieser Welt schauen weg, ignorieren die Monster. Sie sind ja auch noch viel zu weit weg von ihren teuren Mahagoni-Schreibtischen, ihren Luxusautos und ihren Millionen-Villen. Obwohl die Corona-Bestie sie vehement betrifft und auch das Rassismus-Ungetüm sie immer lauter anschreit, wird nichts unternommen. Das Klima-Ungeheuer ignorieren sie vollends. Es erschreckt ja nur die armen Länder in Asien und Afrika, treibt dort sein Unwesen und hinterlässt dort seine Schäden. Nach uns die Sintflut!


STOPP! Genau das ist das Problem. Wenn Trump irgendwann das Zeitliche segnet, wird er als der Präsident in die Geschichte Amerikas eingehen, der nicht an sein Land, sondern nur an sich selbst gedacht hat. Der 45. Präsident ist ein Ego-Shooter, ein Macht-Mensch, niemals ein Volkspräsident oder jemand, der Amerika besser machen möchte. Wenn also die Mächtigen dieser Welt nichts ausrichten wollen, müssen eben die um den Erhalt der Erde kämpfen, die zwar klein und machtlos sind, die jedoch unseren Nachkommen eine Welt hinterlassen wollen, auf der es sich zu leben lohnt. Und wir wissen alle, wenn Millionen Kleine und Machtlose in den Klima-Kampf ziehen (die Kriegs-Sprache ist überhaupt nicht unser Ding, aber hier passt es einfach), dann können auch sie etwas bewirken, das bleibt.


Nachhaltiger Leben – was kann jeder einzelne tun


Die Menschheit ist ein Parasit, der die Erde ausbeutet und sie jeden Tag aufs Neue anbohrt, aussaugt und ihr damit die Kraft nimmt, fortzubestehen. Die Ressourcen wie Öl oder Kohle sind irgendwann erschöpft und erzeugen doch meist nur Dinge, die wiederum schlecht für die Umwelt und die Natur sind, sie zumüllen und zustinken, Treibhausgase in die Atmosphäre schicken und die Luft dünner werden lassen.



Die Affenforscher*IN Jane Goodall ist nicht nur eine beeindruckende WissenschaftlerIN, Klima- und Umwelt-AktivistIN, sie ist auch eine der inspirierendsten Frauen des Planten. Sie hat in einem Interview mit Utopia gesagt, dass sich die Menschheit genau vier Problemen gegenüber sehen muss.

  1. Armut. Wenn jemand arm ist, dann tut er alles, um zu überleben, um Essen zu erhalten oder Geld zu bekommen, um seine Familie zu ernähren. Dazu gehört dann eben auch, dass Bäume gefällt oder Tiere getötet werden.

  2. Der Konsum und der Glaube, dass allein wirtschaftlicher Wachstum wichtig ist. Wir haben nunmal endliche Ressourcen auf der Welt und ständig höher, schneller, weiter ist dabei einfach ein Trugschluss.

  3. Die Korruption. Bestechlichkeit von Menschen schadet nur, nutzt Autoritäten aus und bringt das Schlechteste im Menschen zum Vorschein: Gier.

  4. Das Bevölkerungswachstum. Hier sagt Jane Goodall: "Darüber wollen die Leute nicht sprechen, aber wir müssen."


Darum ist das Bevölkerungswachstum ein Problem


Unter der Bewegung "BirthStrike" gibt es immer mehr Menschen, die beschließen, keine Kinder zu bekommen, um damit das Klima zu schützen. Auch Jane Goodall sagt, dass es wichtig ist, die Bildung von Frauen zu verbessern, um Familien kleiner werden zu lassen. Sie meint, dass viele Reiche denken, es sei okay fünf oder sechs Kinder zu bekommen. Doch du musst auch wissen, dass ein Kind einer wohlhabenden Familie viel mehr Ressourcen verbraucht als zehn Kinder, die in einem Dorf in Afrika aufwachsen. Jane Goodall appelliert deshalb, dass sich der Lebensstil der Wohlhabenden verändern müsse und sie nicht mehr als zwei Kinder bekommen sollten.


Das klingt zunächst hart, erinnert an das furchtbare Wort-Ungetüm "Geburtenkontrolle", doch es ist eine Diskussion, die geführt werden muss. Und geführt wird. Eine schwedische Studie von 2017 hat es sogar wissenschaftlich belegt, dass ein Kind weniger auch zu weniger Treibhausemissionen führt – und damit zum Umweltschutz beiträgt. Die britische Sänger*IN Blythe Pepino alarmierten die Erkenntnisse und so gründete sie die Protestbewegung BirthStrike und trägt ihre freiwillige Kinderlosigkeit in die Welt hinaus. Von Arte gibt es einen Dokumentationsfilm über sie und die Bewegung...

Dass bei diesem Thema viele verschiedene Meinungen und Überzeugungen aufeinandertreffen, ist uns klar. Die Diskussion ist richtig und wichtig, denn natürlich steht dem Thema Klimapolitik auch immer der eigene Wunsch einer Familie und der biologische Trieb der Fortpflanzung gegenüber.


Es ist sehr strikt und eine wohl überlegte Entscheidung generell auf Nachkommen zu verzichten um das Klima zu retten. Man könnte auch spöttisch sagen, dass es etwas zu kurz gedacht ist, wenn die, die sich für Umweltschutz interessieren dies nicht an ihre Kinder weitergeben können und den Umweltverschmutzern und ihren Kindern die Welt überlassen. Aber jeder Mensch entwickelt eigene Meinungen und Überzeugungen. Es ist jedem einzelnen überlassen, wie er mit der Umwelt, den Tieren und seinen Nachkommen umgeht. Es ist wichtig, darüber nachzudenken, welche Folgen unser Handeln hat. Das Bewusstsein darüber, dass die Monster hier sind und dass wir sie nur bekämpfen können, wenn wir unseren Konsum, unseren Umgang mit der Natur und unser Miteinander beobachten und kritisch hinterfragen, ist ein Anfang und ein erster Schritt, den jeder gehen kann.

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