• Stephanie Morcinek

Aha-Erlebnisse in Afrika: Komm mit uns auf eine Safari de luxe

Aktualisiert: Sept 4

Du bist ein riesiger Fan vom Waldbaden? Dann solltest du einmal im Leben auch Wildnisbaden ausprobieren. Wir waren an einem der wohl spektakulärsten Natur-Abenteuerspielplätze der Welt. Die Gerüche, die Farben, die Landschaft, die Rufe und Bilder der Tiere des Okavango-Deltas in Botswana und den Victoria-Fällen in Sambia sind so besonders, sie werden uns unser ganzes Leben nicht mehr los lassen...


(Fotos: KATJA BRÖMER)


Der Busch brennt. Wir sitzen 12.000 Kilometer entfernt von Deutschland und etwa 2500 Meter über dem Boden in einem Leichtflugzeug, das von Luftloch zu Luftloch tanzt. Dabei wackelt die Cessna so stark hin und her, dass wir dankbar sind, eine weiße Tüte vor uns zu haben - nur für den Notfall. Unser Ziel liegt im Nirgendwo Botswanas - die Lodge Vumbura Plains am Okavango Delta. Ins Herz der Wildnis führt nur der Luftweg. Und der startet in der Kleinstadt Maun, an dessen Flughafen die Dichte der beige-olivfarbenen Kleidung der Touristen besonders hoch ist. Alle sind hier, um auf Safari zu gehen, Tiere zu beobachten, Landschaften zu bestaunen, die es nur im Süden Afrikas gibt. Auch wir freuen uns auf den Trip into the wild, obwohl uns in diesem kleinen Flugzeug ganz mulmig zu Mute ist. Unser Angstschweiß riecht nach einiger Zeit plötzlich nach Rauch.

Seit Tagen lodern Buschfeuer in Botswanas Steppen, die aus der Vogelperspektive ganz schön bedrohlich wirken. "Wir warten verzweifelt auf Regen", verrät uns Segametsi Monnamorwa, Environmental Managerin von Wilderness Safaris, einem auf nachhaltige Safaris spezialisierten Luxus-Safari-Anbieter.

Auch in Botswana macht sich der Klimawandel bemerkbar. Der Regen setzt von Jahr zu Jahr später ein, die Intensität nimmt stetig ab, die Feuer zerstören das Land und damit den Lebensraum der Tiere. Die meisten davon kennen wir aus dem Zoo, aber hier ist ihr Zuhause, hier können sie so leben, wie es die Natur vorgesehen hat, zumindest dann, wenn die Natur so erhalten bleibt, wie sie ist.


Ab auf unsere erste Safari


Nachdem das kleine Flugzeug nach einem 50-minütigen Wackelflug endlich den Boden berührt, sind wir erleichtert und springen mit voller Vorfreude in den großen Toyota Land Cruiser. Das offene Safari-Gefährt mit acht Sitzplätzen wird lässig von Wildlife Guide Willie Jenamo über die sandigen, zum Teil auch überfluteten Straßen bugsiert. Der Untergrund ist extrem uneben, wir schaukeln hin und her. "Freut euch doch, das ist eine kostenlose Afrika-Massage", lacht uns Willie aus, als wir bei einer Bodenrille kurz in die Luft katapultiert werden und unsanft auf dem Po landen.

Nach einiger Zeit im Auto fällt dieser besondere Duft auf. Er ist leicht süßlich, wie von Hagebutten, als Kopfnote kommt wilder Salbei hinzu, die Herznote bildet jedoch der Geruch der Tiere. Schon nach fünf Minuten im Safarimobil steht die erste Giraffe vor uns und schaut uns mit großen Augen an. Dabei kaut sie auf ein paar Gräsern. Ein surrendes und irgendwie bedrohlich wirkendes Geräusch kommt von rechts. Wenige Sekunden später fliegt ein Wildbienenschwarm über das Autodach. Ein Warzenschwein nähert sich uns, doch als Willie den Motor aufheulen lässt, rennt es mit in die Luft gestrecktem Schwänzchen, das der Guide liebevoll "Busch-Radio" nennt, ins Dickicht.





Das Funkgerät springt eine Sekunde später an und das Wort "Leopard" fällt. Die Guides informieren sich untereinander über Tierbeobachtungen. Routiniert steuert Willie das schwere Auto durch Sträucher und Gräser zu der Stelle, die ihm sein Kollege verraten hat. Wie er sich hier ohne Straßenschilder zurechtfindet, will ich wissen. "Wir bekommen zwei Wochen Training, merken uns Büsche und Bäume, geben den Straßen Namen und irgendwann ist die Orientierung kein Problem mehr." Ich bin beeindruckt und richtig überwältigt, als ich im tiefen Gras die Musterung des Leoparden erkenne. Er genießt die letzten Sonnenminuten des Tages. Die Wildkatze gehört zu den berühmten Big Five (u.a. noch Löwe, Wasserbüffel, Rhinozeros, Elefant) und zählt zu den bedrohten Tierarten. Das wunderschön gemusterte Fell bewegt sich mit der Atmung des Tieres schnell auf und ab. Unsere Blicke kleben an der Raubkatze bis die Sonne - durch die Buschfeuer pink gefärbt - am Horizont in die Savanne hinabtaucht.



Die 4 großen C's


Durch die Dunkelheit steuert das Safari-Mobil zur Lodge, an der wir vom Wilderness Safaris-Team mit nach Lemongras duftenden, feuchten Handtüchern und einem Zitronen-Drink begrüßt werden. Die Lodges sind mitten in die Natur gebaut, sie haben keine Zäune. Den Gründern von Wilderness lag schon vor 35 Jahren Nachhaltigkeit besonders am Herzen. Ihr Eco-Tourimus-Konzept für mittlerweile knapp 50 Camps in sieben Ländern Afrikas beinhaltet die 4 C's: Commerce, Community, Culture und Conservation. Mit dem Gewinn (Commerce) wird ein Team aus lokalen Angestellten aufgebaut (Community) und so deren Einkommen und das ihrer Familien gesichert. Damit kann auch die Kultur (Culture) der Einwohner und die der Dörfer fortbestehen und den Touristen zugänglich gemacht werden. Dabei steht der Erhalt des Wildlife, der Tier- und Pflanzenwelt (Conservation), immer im Fokus.

Von den Gewinnen, die das Unternehmen durch die Touristen generiert, wird auch ein Teil an die Botswanische Regierung abgegeben. Diese investiert das Geld in die Schulbildung und die medizinische Versorgung der Einwohner. Wer Ökotourismus nach Botswana bucht, beschert also nicht nur sich selbst unvergessliche Momente, man investiert auch in die Zukunft und die Stabilität des Landes mit seinen 2,3 Millionen Einwohnern.



Mit Geleitschutz aufs Zimmer


Beim Abendessen im Schein von Petroleumlampen bekommen wir eine exklusive Vorführung botswanischer Tanz- und Gesangseinlagen, bevor uns Reis mit Rosinen, Bohnen, Polenta, Zwiebelchutney, Risotto und Amarula-Eis serviert wird. Die Gäste der zehn Zimmer sitzen dabei an einer langen Tafel und erzählen wie wild von ihren Tierbeobachtungen und den bisher erlebten Abenteuern. Obwohl wir erst ein paar Stunden in Afrika sind, fühlen wir uns schon mitten drin im Safari-Lifestyle. Mit Geleitschutz geht es gegen 22 Uhr zu den Zimmern. Es kann schon mal vorkommen, dass plötzlich ein Löwe vor einem steht. Mit Gewehren ist jedoch niemand ausgestattet. Wilderness steht für einen friedlichen Umgang mit den Tieren. "Bei Löwen niemals weglaufen, sondern ihnen direkt in die Augen schauen", sagt uns Willie. Wer rennt, ist vermeintliche Beute. Bei Elefanten oder Hippos heißt es ruhig stehen bleiben und ganz langsam rückwärts gehen.

Obwohl uns diese Geschichten etwas verunsichern, fallen wir trotzdem mit einem Lächeln ins Himmelbett, das, wie auch die übrige Einrichtung, von lokalen Möbeldesignern aus Südafrika stammt. Draußen zirpen die Zirkaden, kleine Frösche machen Geräusche, die sich anhören, als fielen Mini-Kristalle auf eine Eisfläche. Darunter mischt sich das laute Brummen eines Hippos. Es hört sich fast so an, als stünde es direkt neben unserem Bett.




Ein Überraschungsgast zum Frühstück


Dabei ist es am nächsten Morgen kein Nilpferd, sondern ein anderer Dickhäuter, der uns einen kurzen Schockmoment verpasst. Direkt vor dem Zimmer - dazwischen keine Wand, sondern nur ein dünnes Fliegennetz - frisst ein Elefant vergnügt Blätter von den Büschen. Seine Ohren fliegen dabei vor und zurück. Wir sind total perplex und sitzen so lange ruhig da, bis er genug gefuttert hat und weiterzieht. "Die Tiere sollen sich nicht durch uns gestört fühlen", sagt Segametsi später beim Frühstück. "Wir dringen schließlich in ihren Bereich ein." Es ist hier wirklich Wildlife pur. Leider auch von seiner brutalsten Seite.

Denn auf unserer morgendlichen Safaritour sehen wir – für die meisten Safarifans bestimmt wie ein Sechser im Lotto – drei männliche Löwen, die ein noch lebendiges Hippo fressen. Es ist Faszination über die Macht im Tierreich und die Verwundbarkeit gleichermaßen.


Wir sind froh, als Guide Willie weiterfährt und wir zur Beruhigung einer Elefantenherde mit Babyelefanten beim Planschen zugucken dürfen. Elefanten sind hier wirklich überall. 130.000 sollen etwa in Botswana leben. Die Wilderei hat die Zahl der bis zu sechs Tonnen schweren Tiere in weiten Teilen des Kontinents schrumpfen lassen. Wegen der angeblich potenzsteigernden Wirkung des Elfenbeins werden die Tiere auch heute noch gejagt. Es macht wütend, wenn man diese Geschichten hört und dabei den intelligenten Tieren zuschaut, über die Tapsigkeit der Babys schmunzelt und sich ab und zu vor einem lauten „Törööö“ erschreckt. Auch aus der Luft sind die Dickhäuter zu erkennen. Wieder mit der Cessna schauen wir uns auch noch das Camp Duma Tau weiter nördlich an, von dem aus wir auf eine Wassersafari gehen. Während wir im Boot sitzen, setzt leichter Regen ein. Der lang ersehnte Wolkenbruch bleibt jedoch aus. Dafür beobachten wir beim Sundowner, zu dem neben geröstetem Mais und getrocknetem Obst Gin Tonic oder Ginger-Ale gereicht wird, Hippos beim Röhren und Tauchen und erleben einen rosa-lila-hellblauen Sonnenuntergang mit Seerosen und einem Elefanten im Vordergrund, den Monet nicht schöner hätte malen können. Auf der anderen Seite taucht der rosafarbene Vollmond auf, der uns den Weg zurück zur Lodge weist, von wo aus wir am nächsten Morgen unsere letzte Etappe ansteuern: die Victoria-Wasserfälle in Sambia.



"Der Rauch des Donners" – die Victoria Fälle


Das Camp Toka Lea liegt nahe der Stadt Livingstone und hält ein besonderes Highlight für uns bereit. Wir dürfen mit 30 Kindern der Organisation „Children in the Wilderness“ ein Wochenende verbringen. Die Kinder sind alle Mitglieder in Umwelt-AGs von sechs Schulen der Umgebung. Während des dreitägigen Camps lernen sie über Säugetiere, über den Umgang mit ihnen und warum Umweltschutz ein wichtiges Thema ist. „Ich will, dass es spätere Generationen genauso gut haben wie wir jetzt“, sagt mir Natasha (11) von der Holy Christ Primary School mit großen, neugierigen Augen. Die Kinder möchten später Ärzt*INNEN werden, Pilot*INNEN, Lehrer*INNEN. Sie wollen die Welt verändern und fangen schon bei sich selber an.

Der letzte Tag unseres Afrikaabenteuers führt uns zu den Victoria-Wasserfällen, die zum UNESCO-Weltnaturerbe zählen und auf einer Breite von 1.700 Metern bis zu 108 Meter in die Tiefe stürzen. Die Wassermassen des Flusses Sambesi (zur Regenzeit sind es 550 Millionen Liter Wasser pro Minute) sind so gewaltig, dass sie schon aus der Ferne zu erkennen sind. „Da vorne brennt es – schon wieder ein Feuer“, möchte ich unserem Guide zurufen. Doch er hat bereits die Erklärung: Die Gischt der Fälle ist so gewaltig, sie sieht von Weitem betrachtet aus wie Rauch. Daher nannten die Ureinwohner Sambias und Simbabwes die Fälle auch „Rauch des Donners“. Denn die Wassermassen sehen nicht nur gewaltig aus, sie hören sich auch gewaltig an. Das merken wir, als wir direkt vor den Fällen stehen und über ihre Schönheit staunen. Durch die Gischt bildet sich jeden Tag aufs Neue ein wunderschöner Regenbogen, der uns genauso beeindruckt wie die Gerüche und Bilder der Tiere. Der Safariveranstalter hätte sich keinen passenderen Slogan aussuchen können, weil er kein Blabla ist, sondern Realität: „Unsere Reisen verändern Leben.“ Unseres auf jeden Fall. (Wir danken Wilderness Safaris für die Unterstützung beim Organisieren dieser Recherchereise / Dieser Text erschien zuerst im FOGS Magazin Sommer 2019)

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